Lehrperson — Inhaltlicher Leitfaden
Einheit «AHV-Zusatzfinanzierung»
Am 29. November 2026 stimmt die Schweiz darüber ab, ob die Mehrwertsteuer steigen soll, um die 13. AHV-Rente mitzufinanzieren. Du lernst, wie AHV und Mehrwertsteuer funktionieren, prüfst die Argumente beider Seiten auf einem selbst gewählten Weg und bildest dir ein eigenes Urteil.
Lesezeit: ~10 Minuten. Dieser Leitfaden ersetzt das Selbst-Durchspielen nicht, gibt dir aber genug, um die Einheit didaktisch zu vertreten und gezielte Plenumsphasen zu setzen.
In 30 Sekunden
- Abstimmungsdatum: 29.11.2026
- Inhalt: Bundesbeschluss über die Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer (Normalsatz 8,1 → 8,5 %) — Verfassungsänderung, Volks- und Ständemehr. Leitfrage: Ist das ein fairer und ausreichender Weg, die 13. AHV-Rente zu finanzieren?
- Umfang: 11 Module · ~110 Min Pflicht · +15 Min Vertiefung optional
- Lernziel-Trias: informieren — positionieren — reflektieren (nicht: überzeugen). Es gibt keine Abstimmungsempfehlung.
- Medienmix: Die Lernenden wählen Video, Audio oder Text frei, müssen aber über die ganze Einheit von jedem Medium mindestens eines genutzt haben (Reiter öffnen zählt). Abzeichen in der Seitenleiste, Kontrolle im Abschlussmodul.
- Voraussetzung Schüler:innen: keine — die Einheit baut Vokabular selbst auf
Der Bogen der Einheit
Die Einheit folgt einer bewussten Dramaturgie: Ankommen → Grundwissen → Pfadwahl → Treffpunkt → Urteil → nach dem 29.11. Alle starten und enden gemeinsam, dazwischen wählt jede Person ihren Pfad.
Ankommen
Pre-Poll als Baseline (fünf Fragen), Erklärvideo, Medienmix-Regel: Position beziehen, bevor etwas erklärt wurde.
Worum es geht
Grundwissen
Wie die AHV funktioniert, wie die Mehrwertsteuer funktioniert (1000-Franken-Rechnung) und was genau zur Abstimmung steht. Video, Audio oder Text nach Wahl.
Wie die AHV funktioniert · Die Mehrwertsteuer · Worüber du abstimmst
Pfadwahl
Vier Pfade zur gleichen Vorlage: Nachrechnen, Zuhören, Wie es kam, Jung gegen Alt. Jede Person wählt nach Interesse und hört beide Seiten.
Dein Weg durch die Vorlage
Treffpunkt
Alle Pfade kommen zusammen: drei Streitfragen (fair? reicht es? gibt es eine bessere Lösung?), je ein starkes Pro und Contra, ein Fakt, eigene Antwort und Klassenbild.
Treffpunkt: Drei Streitfragen
Urteil
Eigenes Profil auf drei Achsen, Umfragen und Altersgraben lesen, eine Lernkontrolle mit Fragen zum eigenen Weg, Pre/Post-Vergleich, Medienmix-Check und ein Produkt mit gemeinsamem Beurteilungsraster.
Wenn ich die Schweiz wäre · Umfragen und der Generationengraben · Lernkontrolle: Grundwissen und dein Weg · Abschluss: vorher, nachher, dein Produkt
Nach dem 29.11.
Freiwillige Vertiefung (Allzweckwaffe, Szenario Nein). Nach dem Abstimmungssonntag: Resultat und Auswertung der Klasse, sobald das amtliche Ergebnis erfasst ist.
Vertiefung: Allzweckwaffe und Nein
Die 11 Module — mit Plenum-Anker
Pro Modul ein empfohlener Diskussionsmoment. Die Idee: zu jedem Modul genau eine Frage, die ihr im Plenum aufgreifen könnt, sobald die Klasse den Stoff durchgearbeitet hat. Nicht drei Optionen — eine Frage, gezielt gesetzt.
Worum es geht
Schlüsselbegriffe
Was passiert
5 Min. Die Lernenden beantworten fünf Pre-Fragen (Absicht, Rechenbeispiel, Lebensmittel, Fairness, Betroffenheit), schauen das Arena-Erklärvideo (ca. 2 Min.) und lesen die Medienmix-Regel. Achte darauf, dass die Klasse die Pre-Fragen wirklich aus dem Bauch beantwortet und nicht nachschlägt: Der Vergleich im Abschluss lebt davon.
Datenanker
Pre-Set fixiert (pre-vote, pre-kosten, pre-lebensmittel, pre-fair, pre-betrifft) — dieselben Fragen kommen im Abschluss wörtlich wieder. Arena-Erklärvideo vom 19.06.2026. Leitfrage der Einheit: Ist die höhere Mehrwertsteuer ein fairer und ausreichender Weg, die 13. AHV-Rente zu finanzieren?
forum Plenum-Anker
Wann: Nach dem Pre-Poll, vor dem Video
Frage: Bei welcher der fünf Fragen war sich die Klasse am unsichersten? Haltet eine Hypothese fest: Welche Antworten werden sich bis zum Schluss bewegen — und welche nicht?
Wie die AHV funktioniert
Schlüsselbegriffe
Was passiert
10 Min. Wer zahlt, wer bekommt, was kostet die 13. Rente? Die Lernenden wählen am Umschalter Video (Tagesschau, 2,5 Min.), Audio (zwei Trend-Ausschnitte) oder Text und beantworten danach Verständnisfragen, die mit jedem Medium lösbar sind. Stolperstein: Die Zahlen im Trend-Audio stammen von 2023/24 und sind als Archiv markiert.
Datenanker
Die 13. Rente kostet 2026 über 4 Mrd. Fr., ab 2035 über 5 Mrd. Fr. pro Jahr. Der Bundesbeitrag macht rund ein Fünftel der AHV-Ausgaben aus. AHV-Ergebnis 2025: rund +4,4 Mrd. Fr. (Tagesschau 26.05.2026) — das Plus kommt auch aus schwankenden Anlagegewinnen.
forum Plenum-Anker
Wann: Nach den Verständnisfragen
Frage: Die AHV schrieb 2025 ein Plus und hat trotzdem ab 2026 ein Umlagedefizit. Wie passt das zusammen — und was sagt das über Argumente wie «es geht auch ohne»?
Die Mehrwertsteuer
Schlüsselbegriffe
Was passiert
10 Min. Kassenzettel, drei Steuersätze, wer die Steuer wirklich zahlt, dann der Umschalter (Tagesschau-Video, Trend-Audio oder Text) und die Auflösung der Pre-Frage «1000 Franken». Hier korrigieren sich die zwei grossen Fehlvorstellungen der Einheit: 40 Fr. statt rund 3.70 Fr. (0,4 Prozentpunkte werden mit 4 % verwechselt) und «Lebensmittel werden teurer» (ihr Satz bleibt bei 2,6 %).
Datenanker
1000 ÷ 1,081 × 1,085 ≈ +3.70 Fr. Der reduzierte Satz von 2,6 % bleibt. Achtung Archiv: Das Tagesschau-Video vom 29.01.2026 nennt überholte Pläne (bis 0,9 Prozentpunkte, «nahe an 10 %»), das Trend-Audio von 2024 rechnete mit +0,7. Beides ist im Modul als überholt markiert.
forum Plenum-Anker
Wann: Nach der Auflösung der RevealCards
Frage: Wer hatte 40 oder 85 Franken geschätzt? Was genau habt ihr verwechselt — und wo im Alltag begegnet euch dieselbe Verwechslung (Prozent und Prozentpunkte)?
Worüber du abstimmst
Schlüsselbegriffe
Was passiert
5 Min. Was genau steht zur Abstimmung: Normalsatz 8,1 → 8,5 %, Beherbergung 3,8 → 4,0 %, reduzierter Satz bleibt, frühestens ab 2028, unbefristet, rund 1,4 Mrd. Fr. pro Jahr. Offizielles Abstimmungsvideo des Bundesrats (YouTube, 21.10.2026, ca. 4 Min.): erklärt die Vorlage, nennt kurz die Haltung der Minderheit (Finanzierung in der nächsten Reform, strukturelle Massnahmen wie ein höheres Rentenalter) und endet mit der Ja-Empfehlung von Bundesrat und Parlament — das Modul weist darauf hin. Typischer Irrtum: «befristet bis 2033» — das war ein früheres Modell der Nationalratskommission, die Vorlage ist unbefristet.
Datenanker
Verfassungsänderung, daher obligatorisches Referendum mit Volks- und Ständemehr. Die Lohnbeiträge wurden am 17.06.2026 im Nationalrat knapp mit 98:96 abgelehnt — das war eine Abstimmung im Nationalrat, nicht in der Einigungskonferenz.
forum Plenum-Anker
Wann: Nach den Verständnisfragen
Frage: Bei einem Nein wird die 13. Rente trotzdem ausbezahlt. Was ist dann noch offen — und warum ist das für die Abstimmung wichtig?
Dein Weg durch die Vorlage
Schlüsselbegriffe
Was passiert
20 Min. (ca. 20 Min. pro Pfad, «Zuhören» eher 25 Min.). Die Lernenden wählen einen von vier Pfaden: Nachrechnen (Warum sind die Zahlen verschieden?), Zuhören (Wie streiten die?), Wie es kam (Geschichte der Finanzierung) oder Jung gegen Alt? Jeder Pfad lässt beide Seiten zu Wort kommen, startet mit dem Medien-Umschalter und endet mit Verständnisfragen, Umfrage und Reflexion. Achte darauf, dass nicht alle denselben Pfad wählen und dass Archivbeiträge als solche gelesen werden.
Datenanker
Nachrechnen: 100 Fr. (Rechenmodell BAK im Auftrag der FDP), 180 Fr. (Schätzung des Bundes für einen Durchschnittshaushalt, offizielles Abstimmungsvideo vom 21.10.2026) und 350 Fr. (älteres Modell, überholt), je pro Haushalt und Jahr, sind absichtlich widersprüchlich — die Aufgabe ist «Wer rechnet was?», nicht eine Auflösung. Zuhören: Tagesschau 28.09. (Nein-Lager) und 13.10. (Ja-Komitee), Forum 22.10.; linke Contra-Stimmen (Juso, VPOD) kommen vor. Wie es kam: Beiträge von 2024 und vor dem 19.06.2026 tragen überholte Pläne. Jung gegen Alt: 2024 stimmten die 18- bis 39-Jährigen mehrheitlich Nein; GFS 2026: 56 % Nein in dieser Gruppe.
forum Plenum-Anker
Wann: Am Ende des Moduls, kurz vor dem Treffpunkt
Frage: Teilt euch nach Pfaden auf: Was war die überraschendste Erkenntnis auf eurem Pfad? Erklärt sie so, dass jemand von einem anderen Pfad sie versteht.
Treffpunkt: Drei Streitfragen
Schlüsselbegriffe
Was passiert
5 Min. Alle Pfade treffen sich bei drei Streitfragen: Ist das fair? Reicht es? Gibt es eine bessere Lösung? Pro und Contra sind gleich lang, dazu je ein Fakt. Die Lernenden wählen eine der drei Streitfragen und schreiben 2–4 Sätze mit einem Argument aus ihrem Pfad und einem Gegenargument; die gewählte Frage ist der Ausgangspunkt für das Produkt im Abschlussmodul. Danach sehen sie das Stimmungsbild der Klasse. Gute Gelegenheit für ein Plenum mit gemischten Pfaden.
Datenanker
Streitfrage 1: 100 Fr. pro Haushalt und Jahr (BAK Economics, im Auftrag der FDP) vs. etwa 5 Fr. pro Monat und Person (SP-Fraktionschefin Marti) — verschiedene Einheiten und Auftraggeber. Streitfrage 2: Die Erhöhung allein deckt rund ein Drittel der Kosten der 13. Rente (1,4 von über 4 Mrd.), zusammen mit dem Bundesbeitrag etwa die Hälfte. Streitfrage 3: Lohnbeiträge im Nationalrat mit 98:96 abgelehnt (17.06.2026).
forum Plenum-Anker
Wann: Nach der Reflexion, mit dem Stimmungsbild
Frage: Stellt euch pro Streitfrage auf eine Seite des Raums (eher Ja, eher Nein). Je eine Person pro Seite begründet in einem Satz, ohne die Gegenseite zu entwerten. Wer wechselt die Seite und warum?
Wenn ich die Schweiz wäre
Schlüsselbegriffe
Was passiert
15 Min. ClusterChooser mit zwölf Karten: pro Cluster (Wer soll zahlen? · Jung und Alt · Mehr Geld oder zuerst sparen?) zwei Alltagssituationen und zwei Schweizer Entscheide. Am Ende ein Profil im Vergleich zur Klasse; spannend ist oft der Bruch zwischen Alltags- und Schweizer Entscheid. Das Profil ist kein Abstimmungsrat.
Datenanker
Gesamtachse: «Anders finanzieren» ↔ «Über die Mehrwertsteuer finanzieren». Die Contra-Seite enthält bürgerliche (sparen, ganze Reform) und linke Argumente (Einkommen als Massstab, Lohnprozente, «es geht auch ohne»). Karten und Achsen sind fixiert; nach dem ersten Eintrag nicht mehr änderbar.
forum Plenum-Anker
Wann: Wenn die Profile sichtbar sind
Frage: Wer entscheidet im Alltag anders, als «die Schweiz» entscheiden soll — zum Beispiel bei der WG-Kasse gleich viel für alle, bei der Mehrwertsteuer aber nicht? Zwei Freiwillige erklären ihren grössten Bruch.
Umfragen und der Generationengraben
Schlüsselbegriffe
Was passiert
10 Min. Die erste SRG-Umfrage (GFS Bern, 5.–18. Oktober 2026) nach Video, Audio-Archiv oder Text, dazu eine zweite Umfrage mit anderem Ergebnis (Tamedia: 60 % Nein). Aufgabe: erklären, wie zwei Umfragen zur gleichen Frage verschieden aussehen können (Methode, Zeitpunkt, Stichprobe). Das Audio ist ein Archivbeitrag von 2024 zur Initiative, nicht zur Finanzierung.
Datenanker
SRG/GFS: 46 % Ja, 49 % Nein, 5 % unentschieden. 18- bis 39-Jährige 56 % Nein, über 65-Jährige 55 % Ja. Initiative vom 03.03.2024: 58,2 % Ja. Eine zweite GFS-Welle folgt um den 18.11.; danach die Zahlen nachführen.
forum Plenum-Anker
Wann: Nach der Reflexion «Zwei Umfragen, zwei Zahlen»
Frage: Sammelt Gründe für verschiedene Umfrageergebnisse. Was würdet ihr jemandem antworten, der sagt «Die Umfrage beweist, dass die Vorlage durchfällt»?
Lernkontrolle: Grundwissen und dein Weg
Schlüsselbegriffe
Was passiert
20 Min. Teil A für alle: 4 von 8 Fragen zum Grundwissen (AHV, Mehrwertsteuer, Vorlage) und eine offene Aufgabe. Teil B passt zum Weg aus «Dein Weg durch die Vorlage» und öffnet sich von selbst; die anderen Wege sind ausgeblendet. Jeder Weg hat gleich viele Fragen (3 von 6) und eine offene Transferaufgabe mit Gerüst: Schlagzeile prüfen (Nachrechnen), Plakat untersuchen (Zuhören), «Was wäre, wenn …» zur Einigungskonferenz (Wie es kam), Aussage einer Lernenden beurteilen (Jung gegen Alt). Wer keinen Weg gespeichert hat, wählt selbst.
Datenanker
Die offenen Aufgaben haben keine Punkte; die Texte stehen unter Ergebnisse und im Export und zeigen sich im Abschluss unter «Was du bisher geschrieben hast». «Nochmals durchgehen» ist in den Fragen möglich: Gewertet wird der letzte Stand.
forum Plenum-Anker
Wann: Nach Teil B
Frage: Bildet Gruppen mit je einer Person pro Weg. Jede stellt ihre offene Aufgabe vor: Was hat euer Weg euch für diesen Fall gegeben, was die anderen Wege nicht hätten?
Abschluss: vorher, nachher, dein Produkt
Schlüsselbegriffe
Was passiert
10 Min. Dieselben fünf Fragen wie im Einstieg, dann die Pfeile pre → post, die Synthese (280 Zeichen) und der MediaMix-Check (Video, Audio, Text genutzt?). Vor der Produktwahl zeigt der Block «Was du bisher geschrieben hast» die eigenen Antworten aus den Modulen davor (erste Stimmabsicht, Pfad-Reflexion, Streitfrage, Positionsprofil, Umfrage-Reflexion) als Erinnerung. Danach wählt jede Person wie bei den Pfaden ein Produkt per Karte: Faktencheck, Leserbrief mit Gegenargument, Erklärung für Erstwählende oder «Die fehlende Stimme» (drei Lernende befragen, ohne Namen); nur das geöffnete Produkt zählt, weitere dürfen geöffnet werden. Einfügen ist in allen Schreibfeldern gesperrt: Wer aus der Erinnerung übernehmen will, muss neu formulieren. Das Produkt kann Hausaufgabe sein.
Datenanker
Erwartungsmuster: Fragen 2 und 3 (Rechenbeispiel, Lebensmittel) grosse Deltas, Frage 4 (Fairness) kleines Delta, Fragen 1 und 5 mittel und in beide Richtungen. Beurteilungsraster für alle vier Produkte: Quellen genutzt · beide Seiten fair · eigene Begründung · Sprache — zählt für Gesellschaft und Sprache & Kommunikation.
forum Plenum-Anker
Wann: Live am PrePostReveal
Frage: Stimmt das Muster bei euch — Fakten bewegen sich, Werte kaum? Wo weicht eure Klasse ab, und was könnte das bedeuten?
Vertiefung: Allzweckwaffe und Nein
Schlüsselbegriffe
Was passiert
15 Min., freiwillig. Drei Teile: Tagesschau «Mehrwertsteuer als Allzweckwaffe» (Archiv, überholte Pläne), zwei Ausschnitte aus Echo der Zeit zur ETH-Studie (nicht peer-reviewed) und eine Zusammenfassung «Was passiert bei einem Nein?» mit bürgerlichen und linken Contra-Stimmen (FDP, SVP, VPOD). Eignet sich als Hausaufgabe für Schnelle.
Datenanker
Eine Armee-Erhöhung ist ein separates Geschäft und nicht Teil dieser Abstimmung. Bei einem Nein wird die 13. Rente im Dezember trotzdem ausbezahlt; «nicht automatisch ein höheres Rentenalter» ist die Aussage der Bundesrätin, kein Fakt.
forum Plenum-Anker
Wann: Nach der Reflexion «Allzweckwaffe oder richtiges Werkzeug?»
Frage: Ist es ein Vorteil oder ein Risiko, dass die Mehrwertsteuer kaum auffällt? Argumentiert einmal dafür, einmal dagegen — und tauscht dann die Rolle.
Drei Unterrichts-Szenarien
Je nach verfügbarer Zeit: welche Module sind zwingend, welche optional? Du kannst die Auswahl in /teacher-setup als Pflichtmodule festlegen — alles andere wird für deine Klasse ausgeblendet.
45 Min
Solo-Lektion
Schnelldurchlauf: Die Klasse kennt die Vorlage, rechnet das Beispiel nach und hat einen Pre/Post-Vergleich — ohne Pfade.
Module
- · Worum es geht
- · Die Mehrwertsteuer
- · Worüber du abstimmst
- · Abschluss: vorher, nachher, dein Produkt
Pflichtmodule in /teacher-setup auf diese vier Slugs einschränken. Der Pre/Post-Vergleich funktioniert nur mit Einstieg und Abschluss.
90 Min
Doppellektion
Grundwissen, ein selbst gewählter Pfad und der Treffpunkt mit den drei Streitfragen — der Kern der Einheit ohne Position und Umfragen.
Module
- · Worum es geht
- · Wie die AHV funktioniert
- · Die Mehrwertsteuer
- · Worüber du abstimmst
- · Dein Weg durch die Vorlage
- · Treffpunkt: Drei Streitfragen
- · Abschluss: vorher, nachher, dein Produkt
Der Treffpunkt setzt voraus, dass alle einen Pfad gemacht haben. Das Produkt im Abschluss als Hausaufgabe vergeben.
3 × 45 Min
Volle Sequenz
Der ganze Pflichtteil (pauschal ca. 90 Min. Arbeitszeit): Grundwissen → Pfad → Treffpunkt → Position und Umfragen → Lernkontrolle → Urteil und Produkt.
Module
- · Worum es geht
- · Wie die AHV funktioniert
- · Die Mehrwertsteuer
- · Worüber du abstimmst
- · Dein Weg durch die Vorlage
- · Treffpunkt: Drei Streitfragen
- · Wenn ich die Schweiz wäre
- · Umfragen und der Generationengraben
- · Lernkontrolle: Grundwissen und dein Weg
- · Abschluss: vorher, nachher, dein Produkt
L1: Einstieg + Grundwissen (bis «Worüber du abstimmst») · L2: Pfade + Treffpunkt · L3: Position, Umfragen, Lernkontrolle, Abschluss (Produkt allenfalls als Hausaufgabe). Die Vertiefung ist freiwillig. Das Produkt mit dem Beurteilungsraster (Quellen genutzt · beide Seiten fair · eigene Begründung · Sprache) kann für Gesellschaft und Sprache & Kommunikation zählen.
Was du im Klassenreport siehst
Alle interaktiven Antworten landen anonymisiert im Klassenreport. Damit kannst du Plenum-Anker datengestützt diskutieren — zum Beispiel: «Im Treffpunkt hat sich die Klasse 60–30 bei «Ist das fair?» gespalten — warum?»
| Block-Typ | Was du siehst |
|---|---|
| Poll / PollDeck | Verteilung pro Antwort-Option (anonym aggregiert) |
| MultipleChoice / TrueFalse / QuizCarousel / Zeitmaschine | Trefferquote pro Frage; pro Schüler:in Punktestand |
| ClusterChooser (Position) | 3-Achsen-Profil der Klasse als Aggregat |
| PrePostReveal (Abschluss) | Klassen-Bewegung pre→post pro Frage |
| Reflection / SynthesisCard | Offene Texte pro Schüler:in (mit Code, falls revealCodes aktiviert) |
Pfade, Medienmix und Produkte
Die vier Pfade (je ca. 20 Min.)
- Nachrechnen: Warum nennen Medien 100, 180 oder 350 Franken? Die Lernenden rechnen selbst und prüfen, wer welche Zahl mit welchen Annahmen und welchem Auftraggeber nennt. Die 180 Fr. sind die Schätzung des Bundes für einen Durchschnittshaushalt, die 100 Fr. stammen aus einem Rechenmodell im Auftrag der FDP, die 350 Fr. aus einem älteren Modell.
- Zuhören: Beide Kampagnen und eine Radiodebatte, ungefähr gleich lang. Argumente sortieren, rhetorische Mittel finden.
- Wie es kam: Zeitstrahl vom Ja zur 13. Rente (03.03.2024) bis zum Beschluss im Juni 2026. Viele Beiträge sind Archiv mit überholten Plänen.
- Jung gegen Alt? Junge Stimmen, Umfrage nach Alter, Lohnprozente gegen Mehrwertsteuer aus Sicht der Jungen.
Medienmix-Regel
An jedem Umschalter wählen die Lernenden frei Video, Audio oder Text. Über die ganze Einheit muss mindestens ein Video, ein Audio und ein Text genutzt worden sein; als genutzt gilt ein geöffneter Reiter. Die Seitenleiste zeigt je ein Abzeichen pro Medium, der Block «MediaMix» im Abschluss prüft und verlinkt fehlende Medien. Die Verständnisfragen unter dem Umschalter sind mit jedem Medium lösbar.
Produkte im Abschluss
Eines von vier: Faktencheck, Leserbrief mit Gegenargument, Erklärung für Erstwählende, Die fehlende Stimme (drei Lernende befragen, Antworten ohne Namen zusammenfassen). Gemeinsames Raster: Quellen genutzt · beide Seiten fair · eigene Begründung · Sprache. Das Produkt kann für Gesellschaft und für Sprache & Kommunikation zählen.
Typische Fehlvorstellungen
- «Das kostet 40 Franken mehr»: Verwechslung von 0,4 Prozentpunkten mit 4 %. Richtig sind rund 3.70 Fr. auf 1000 Fr. (Normalsatz).
- «Lebensmittel werden teurer»: Der reduzierte Satz bleibt bei 2,6 %.
- «Befristet bis 2033»: Ein früheres Modell; die Vorlage ist unbefristet.
- «98:96 war die Einigungskonferenz»: Es war eine Abstimmung im Nationalrat, mit der die Lohnbeiträge abgelehnt wurden.
- «Die Erhöhung deckt die Hälfte»: Präzise: Die Erhöhung allein (1,4 Mrd.) deckt rund ein Drittel der über 4 Mrd., zusammen mit dem Bundesbeitrag etwa die Hälfte (Tagesschau 13.10.2026).
Ideen für das Plenum im Treffpunkt
- Ist das fair? Raumaufstellung eher Ja / eher Nein; pro Seite eine Begründung, dann Seitenwechsel erlaubt.
- Reicht es? Die Klasse formuliert, was «etwa die Hälfte» bedeutet und wer den Rest tragen sollte, und prüft, ob mit oder ohne Bundesbeitrag gerechnet wird.
- Gibt es eine bessere Lösung? Vier Ecken: Lohnprozente, Sparen beim Bund, Rentenalter, Mehrwertsteuer. Jede Ecke nennt das Argument der anderen Ecke, bevor sie ihr eigenes sagt.
Kontroverse statt Konsens
Die Einheit folgt den Prinzipien des Beutelsbacher Konsens der politischen Bildung:
- Überwältigungsverbot: Die Vorlage wird nicht bewertet, es gibt keine Empfehlung. Beide Seiten erscheinen in ihrer stärksten Fassung. Die Contra-Seite umfasst bürgerliche (FDP, SVP) und linke Stimmen (Juso, VPOD).
- Kontroversitätsgebot: Pro und Contra sind gleich lang und gleich genau (Treffpunkt, Pfad «Zuhören», Positionskarten). Archivbeiträge vor dem 19.06.2026 tragen überholte Pläne und sind im Modul so markiert; widersprüchliche Zahlen (100/180/350 Fr.) sind eine Aufgabe, keine Panne.
- Schülerorientierung: Die Plenum-Anker sind als Fragen formuliert, nicht als Thesen. Ziel ist bewusste Justierung, nicht «richtige Antwort».
Wenn dir eine Stelle in der Einheit unausgewogen erscheint, melde sie über /feedback.
Glossar-Spickzettel
Die ~15 Begriffe, die durch die Einheit getragen werden. Damit du Schüler-Rückfragen ohne Nacharbeit beantworten kannst. Vollversion mit Querverweisen: /glossary.
- Mehrwertsteuer
- Steuer auf Käufe von Gütern und Dienstleistungen. Unternehmen führen sie ab, getragen wird sie am Ende von den Konsumierenden.
- Normalsatz
- Der allgemeine Satz (Kleider, Elektronik, Restaurant): heute 8,1 %, bei einem Ja 8,5 %, frühestens ab 2028.
- Reduzierter Satz
- Tieferer Satz für Güter des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Zeitungen): 2,6 %, er bleibt bei einem Ja unverändert.
- Beherbergungssatz
- Sondersatz für Hotelübernachtungen: heute 3,8 %, bei einem Ja 4,0 %.
- Prozentpunkt
- Differenz zwischen zwei Prozentsätzen: Von 8,1 auf 8,5 % sind es 0,4 Prozentpunkte, nicht 4 %. Daher der häufige Fehler «40 Franken».
- Vorsteuerabzug
- Unternehmen ziehen die Steuer auf ihren Einkäufen ab; so wird nur der Mehrwert besteuert, am Ende zahlen die Konsumierenden.
- Regressiv
- Eine Steuer, die tiefe Einkommen im Verhältnis stärker belastet, weil sie fast alles ausgeben. Kernkritik an der Mehrwertsteuer; Gegenargument: Reiche zahlen absolut mehr.
- Umlageverfahren
- Die AHV zahlt die Renten aus den laufenden Einnahmen: Die Erwerbstätigen von heute finanzieren die Renten von heute («Generationenvertrag»).
- AHV-Ausgleichsfonds
- Die Reserve der AHV. Das Plus von rund 4,4 Mrd. Fr. im Jahr 2025 (auch aus Anlagegewinnen) stützt das Argument «es geht auch ohne», die Defizit-Prognosen stützen das Gegenteil.
- Lohnprozente
- Abzüge vom Lohn, die Arbeitnehmende und Arbeitgeber je zur Hälfte zahlen. Die Alternative zur Mehrwertsteuer; im Nationalrat am 17.06.2026 knapp abgelehnt (98:96).
- 13. AHV-Rente
- Zusätzliche Monatsrente pro Jahr, am 03.03.2024 mit 58,2 % Ja angenommen. Kostet 2026 über 4 Mrd. Fr., ab 2035 über 5 Mrd. Fr.
- Bundesbeitrag
- Der Bund zahlt rund ein Fünftel der AHV-Ausgaben. Die Erhöhung allein deckt rund ein Drittel der Kosten der 13. Rente; erst zusammen mit dem Bundesbeitrag ist es etwa die Hälfte.
- Teilfinanzierung
- Die Erhöhung bringt rund 1,4 Mrd. Fr. pro Jahr, das ist rund ein Drittel der über 4 Mrd. Fr., die die 13. Rente kostet. Zusammen mit dem Bundesbeitrag deckt sie etwa die Hälfte. Den Rest müsste das Parlament später regeln.
- Einigungskonferenz
- Gremium aus je 13 Mitgliedern von National- und Ständerat, das bei Differenzen zwischen den Räten einen Kompromiss vorschlägt. Hier am 10.06.2026; der Lohnbeitrag-Teil wurde später im Nationalrat gestrichen.
- Doppeltes Mehr / Ständemehr
- Bei Verfassungsänderungen braucht es die Mehrheit des Volks und die Mehrheit der Stände (Kantone). Beim obligatorischen Referendum findet die Abstimmung immer statt.
Du brauchst die Bedienungs-Anleitung (Klasse registrieren, Code teilen, Report öffnen)?
Zur Schritt-für-Schritt-Anleitung arrow_forward